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Pressemitteilung vom 20.01.2012

Professionelle Pflege auch ohne Abitur möglich

Verband der Schwesternschaften fordert Reform der Pflegebildung und Einführung eines Berufegesetzes

In Deutschland werden derzeit die Pläne der EU-Kommission, die Zugangsvoraussetzungen für die Pflegeausbildung auf zwölf Jahre anzuheben, kontrovers diskutiert. Die Präsidentin des Verbandes der Schwesternschaften vom DRK, Sabine Schipplick, plädiert dafür, die Richtlinienänderung so zu sehen, dass ein Zugang zur Ausbildung im Pflegeberuf nicht ausschließlich mit Abiturienten möglich sei: „Eine zwölfjährige Schulbildung ist nicht überall in Europa gleichzusetzen mit Abitur oder Fachschulreife. Wir unterstützen daher auch andere Zugangsvoraussetzungen zum Pflegeberuf wie die zehnjährige Schulausbildung mit einer Äquivalenz, um Interessierten den Zugang zu diesem Beruf auch ohne Abitur zu ermöglichen.“ Schipplick steht auf dem Standpunkt, dass nicht die Anzahl der Schuljahre für den Beruf entscheidend sein sollte, sondern die Qualität der Ausbildung.

Um die generelle Attraktivität des Pflegeberufes zu steigern, ginge es vielmehr darum, bereits während der Ausbildung den gestiegenen fachlichen Anforderungen an den Pflegeberuf Rechnung zu tragen. Die seit langem vom Verband der Schwesternschaften vom DRK geforderte Generalisierung der Ausbildung bekommt vor dem Hintergrund einer europaweiten Anerkennung der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege eine neue Brisanz. „Um deutsche Pflegende auf die Arbeit im europäischen Ausland vorzubereiten, ist es zum einen wichtig, die Berufsausbildungen zusammenzuführen. In anderen europäischen Ländern gibt es keine Alten- bzw. Kinderkrankenpfleger“, so Schipplick. „Zum anderen müssen wir mit unserer Ausbildung in Deutschland die Pflegekräfte auch darauf vorbereiten, dass sie Aufgaben übertragen bekommen, die über ihr derzeitiges Tätigkeitsfeld hinausgehen. Dies geht aus unserer Sicht nur durch die Einführung eines Berufegesetzes, in dem auch klar geregelt ist, welche Kompetenzen die professionell Pflegenden gerade auch in Zusammenarbeit mit anderen Professionen hat“, betont die Präsidentin.

Auch der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Dr. Rudolf Seiters, unterstützt die Forderungen nach einer umfassenden Reform der Pflegeausbildung und der Einführung eines Berufegesetzes. Er sagt: „Wir brauchen in Deutschland eine Aufwertung der Pflegeberufe, die es für junge Menschen deutlich attraktiver macht, diesen Beruf zu ergreifen. Ein Berufegesetz der Pflege ist daher seit langem überfällig. Sonst wird es immer schwieriger, Stellen im Pflegebereich besetzen zu können.“
 

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