Das ist das Motto des diesjährigen Pflegekongresses, der am 27. und 28. Januar in Berlin stattfand. Auch der Verband der Schwesternschaften vom DRK e.V. hat sich dort präsentiert – zusammen mit der Werner-Schule vom DRK und ihrem Kooperationspartner für die Pflegestudiengänge, der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK). Der gemeinsame Stand war gut frequentiert, es herrschte großes Interesse an den Fort- und Weiterbildungsangeboten der Werner-Schule vom DRK, aber auch an den berufsbegleitenden Studiengängen.
Bei der Eröffnungsveranstaltung am 27. Januar sprach Frau Staatssekretärin Widmann-Mauz viele Punkte an, die die Pflegenden derzeit beschäftigen. So bezog sie Stellung zur Problematik der Delegation und Substitution von Leistungen: Die Pflegefachkräfte müssten künftig eine höhere Verantwortung übernehmen – zunächst im Rahmen der Delegation, mittelfristig werde es aber auch um die Substitution gehen. Auch die Zusammenführung der drei Ausbildungen soll laut Frau Widmann-Mauz noch in dieser Legislaturperiode in einem Berufegesetz manifestiert werden. Last but not least sprach sie sich eindeutig für die Beibehaltung der allgemeinen zehnjährigen Schulbildung als Eingangsvoraussetzung für den Pflegeberuf aus. Der Verband der Schwesternschaften vom DRK unterstützt diese Forderung, auch weiterhin den Zugang zum Pflegeberuf ohne Abitur zu ermöglichen. Die Präsidentin des Verbandes der Schwesternschaften vom DRK, Generaloberin Sabine Schipplick, sprach sich bereits in der vergangenen Woche dafür aus, neben dem Abitur auch die zehnjährige Schulbildung mit einer entsprechenden Äquivalenz anzuerkennen. Der Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), Andreas Westerfellhaus, griff die Thematik anschließend ebenfalls auf. Aus seiner Sicht haben die Medien fälschlicherweise die Diskussion geschürt, indem sie aus der 12-jährigen Schulbildung, die die EU-Kommission in Brüssel in ihrem Entwurf der Berufsanerkennungsrichtlinie als Zugangsvoraussetzung deklariert hat, das „Pflegeabitur“ gemacht haben. Damit entstand in der Öffentlichkeit und bei den Pflegekräften der Eindruck, dass es künftig durch die Neufassung der Berufsanerkennungsrichtlinie in Deutschland nötig sei Abitur zu haben, um den Pflegeberuf zu erlernen. Niemand in der Pflege beabsichtige, alle Pflegekräfte studieren zu lassen. Dennoch halte er den Schritt der letzten Bundesregierung, auch Hauptschülern den Zugang zum Pflegeberuf zu ermöglichen, für falsch.
Westerfellhaus fand weiter eindeutige Worte als Antwort auf die Rede der Staatssekretärin: „Es reicht. Ab jetzt zählen nur noch Taten und Ergebnisse.“ Er kritisierte den Zeitplan der derzeitigen Bundesregierung und erhielt von den Anwesenden hierfür kräftig Applaus. Denn schließlich mangele es nicht an Lösungsvorschlägen, sondern offensichtlich am Umsetzungswillen. Er bezeichnete das Jahr der Pflege als „Flop“. Es könne nicht sein, dass professionelle Pflege nur noch im Dauerlauf zu schaffen sei und aufgrund des Stellenabbaus in den Krankenhäusern – allein 50.000 in den vergangenen Jahren – versucht werde, personellen Engpässen mit Helfern und Assistenten beizukommen. Er griff das Motto des diesjährigen Kongresses auf und bat die Zuhörer sich vorzustellen, welche Dramaturgie sich abzeichnen würde, wenn auch nur an einem einzigen Tag nicht mehr gepflegt würde. Abschließend rief er das Jahr 2012 als das Jahr der Pflegenden aus und forderte die Anwesenden auf, ihren Teil dazu beizutragen.
Sehr anschaulich skizzierte Ludger Risse, stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes Pflegemanagement, was es heißen würde, wenn in Deutschland die Pflege einen Tag streiken würde: Anders als bei Ärztestreiks habe es eine andere Dimension, wenn die Pflege einen Tag streiken würde. Einzig das ethische Berufsverständnis hindere die professionellen Pflegekräfte an einem Streik – und ihr mangelnder Organisationsgrad. Risse eröffnete seinen Vortrag mit einer Präsentation, die die Frage aufwarf: Pflege ist selbstverständlich? Er beschreibt Szenarien, in denen Dinge fehlen, die sonst wie selbstverständlich da sind – wie Wasser aus dem Hahn beispielsweise für die Morgentoilette. Er wollte damit wachrütteln und die Botschaft vermitteln, dass die Öffentlichkeit gar nicht weiß, was Pflegekräfte leisten.

Oberin Doris Frohnhöfer, Verbandsoberin des Verbandes der Schwesternschaften vom DRK e.V., Andreas Westerfellhaus, Präsident des Deutschen Pflegerates, Michael Breuckmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe e.V., und Alexandra Sarah Lang, Referentin für Gesundheits- und Pflegepolitik im Verband der Schwesternschaften vom DRK e.V. (v.l.)
Claudia Artz (l.), Referentin für Hochschulkooperationen in der Werner-Schule vom DRK, im Gespräch.