Positionierung des Verbandes der Schwesternschaften zum Schreiben des BMFSFJ und BMG zur Unterstützung von Pflegeeinrichtungen durch Auszubildende

Bundesfamilienministerin Dr. Giffey und Gesundheitsminister Spahn forderten am 27. Januar 2020 in einem Schreiben an die Partnerorganisationen der Ausbildungsoffensive Pflege den verstärkten Einsatz von Auszubildenden in Pflegeberufen bei der Unterstützung von Testungen in Altenpflegeeinrichtungen.

Mit folgendem Wortlaut hat der Verband der Schwesternschaften vom DRK e.V. sich gegen den Vorschlag eines verstärkten Einsatzes von Auszubildenden in Pflegeberufen bei der Unterstützung von Testungen in Altenheimeinrichtungen gewandt:

Die DRK-/BRK-Schwesternschaften sind sich sowohl in der Rolle als Träger von Altenpflegeeinrichtungen als auch als verantwortliche Ausbildungs- oder Schulträger der hoch brisanten Lage in den Einrichtungen der stationären Langzeitpflege umfassend bewusst.

Die Fürsorge und der Schutz der uns anvertrauten Menschen genießt oberste Priorität. Für die Bewohner/innen unserer Einrichtungen bedeutet dies unter den aktuellen Bedingungen insbesondere die umfassende Einhaltung von Hygieneregeln durch das Pflegepersonal und das stete Bemühen – auch durch Testung von Besuchern und Mitarbeitern – das Infektionsgeschehen nicht in die Häuser zu tragen.

Gleichzeitig fühlen wir uns den Auszubildenden verpflichtet. Unter sehr schwierigen Rahmenbedingungen haben wir in den Pflegeschulen mit der generalistischen Ausbildung begonnen, neue Unterrichtskonzepte entwickelt und digitalisiert, Praxiseinsätze koordiniert und uns in den Turbulenzen des vergangenen Jahres bis heute gleichzeitig sehr bemüht, den jungen Menschen eine hochwertige Ausbildung in Theorie und Praxis zu ermöglichen. Hierbei konnten wir nicht nur auf maximal engagierte und kreative Lehrkräfte zählen, sondern auch auf Auszubildende, die mit großem Einsatz, viel Herzblut und sehr viel Flexibilität in der Praxis tätig waren und sind. Wo es in diesen besonderen Zeiten nötig war, haben unsere Auszubildenden oft genug schon mehr getan, als es ihrem Status als Lernende angemessen gewesen ist.

Wir werden dem gemeinsamen Aufruf des BMG und des BMFSFJ zu einem verstärkten Einsatz von Auszubildenden in der Testung von Besuchern, Angehörigen oder Bewohnern auf SARS-CoV-2 nicht folgen und das aus guten Gründen.

Die Auszubildenden leisten in der Unterstützung des Pflegefachpersonals in der Pflege und Betreuung von kranken und alten Menschen bereits jetzt einen unverzichtbaren Beitrag und dies ist schon weitaus mehr, als Auszubildende tun sollten, dürften und müssten.

Wenn erst heute seitens der verantwortlichen Politiker – nach monatelangem Pandemiegeschehen und anhaltend hohen Todesfällen von Altenheimbewohnern – verstanden wurde, dass die unzureichende Personalausstattung vieler Altenheime ein regelhaftes Testgeschehen zumindest deutlich erschwert, kommt die Erkenntnis sehr spät. Der Einsatz von Bundeswehr und Testhelfern – die von qualifiziertem Personal zu begleiten sind – hilft bestenfalls punktuell.

Die DRK-/BRK-Schwesternschaften werden die Auszubildenden nicht zu Testhelfern ausbilden, aber hoffentlich zu Pflegefachkräften, die sich ihrer fachlichen und berufsethischen Verantwortung bewusst sind und die weiter dafür eintreten werden, dass die Lösung von anhaltenden „systemischen Problemen“ im Gesundheitswesen nicht primär in ihrer Zuständigkeit liegt.

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